Erotische Laktation (engl. erotic lactation) bezeichnet das Stillen eines erwachsenen Partners beziehungsweise eine Relaktation primär aus erotischen Gründen. Je nach Art und Ausrichtung der erotischen Beziehung finden auch andere, insbesondere englische Begriffe Verwendung, wie z. B. adult nursing, adult breastfeeding oder Adult Nursing Relationship (ANR).

Die ebenfalls vorkommenden Wortbildungen Milch-Fetischismus und Laktophilie sind umgangssprachliche Pseudo-Fachbegriffe, die nicht den Regeln der Wortbildung für Paraphilien im medizinisch-diagnostischen Kontext entsprechen. Insbesondere muss für das Vorliegen einer Paraphilie nach den Definitionen des ICD-10 und des DSM-IV ein Leidensdruck aus der betreffenden sexuellen Neigung hervorgehen. Zudem wird das Wort Fetisch im medizinisch-diagnostischen Kontext nicht für primäre oder sekundäre Geschlechtsmerkmale verwendet und bezieht sich normalerweise auf unbelebte Gegenstände.[1]

Verbreitung

Bei lesbischen Beziehungen hat das gegenseitige oder einseitige Stillen um 1930 Erwähnung in der Fachliteratur gefunden, jedoch sind genaue Zahlen nicht bekannt.[5] Die Londoner Zeitschrift The Sunday Times berichtete am 13. März 2005 von einer wissenschaftlichen Untersuchung mit 1690 britischen Männern, die ergab, dass bei 25 bis 33 % der Paare der Mann die Muttermilch aus der Brust seiner stillenden Frau getrunken hat. Die meisten taten dies mehrfach und gaben als Grund nicht Neugier, sondern ein echtes emotionales Bedürfnis an.[6] Ein ausführlicher wissenschaftlicher Bericht wurde 2007 von Roland Schöbl veröffentlicht.[7] Im Oktober 2007 wurde in Deutschland eine Untersuchung zum Stillen des erwachsenen Partners veröffentlicht, dabei gaben von den befragten 8500 Personen etwa 70 Prozent der Männer, knapp 60 Prozent der heterosexuellen Frauen und fast 80 Prozent der Lesben an, gerne die Milch des Partners trinken zu wollen oder ihn trinken zu lassen.[8] Darüber hinaus existieren nahezu keine Berichte oder Untersuchungen über das Stillen von Erwachsenen aus erotischen Gründen.

Empfindungen beim Stillen eines Kindes, ob sexueller oder asexuell-angenehmer Art, fallen normalerweise nicht unter den Begriff Erotische Laktation, solange nicht gezielt zum eigenen Lustgewinn gestillt wird. Je nach Studie geben zwischen 25 % und 40 % der Frauen an, durch das Stillen eines Kindes schon einmal sexuell erregt worden zu sein.[9] Ob solche Gefühle erlebt werden, hängt von vielen Faktoren ab, insbesondere auch kulturellen Normvorstellungen. Entwicklungsgeschichtlich entstehen angenehme Empfindungen, um zu einem bestimmten Verhalten zu motivieren.